M. Chapoutier

Kultweine eines Terroir-Fanatikers

„Mein erster Eindruck von diesem Mann war: er ist verrückt,“ beginnt der Journalist Jean-Charles Chapuzet seine Biographie über Michel Chapoutier. Der erst 50jährige Kultwinzer aus Tain l’Hermitage, der „vor Ideen ständig überzusprudeln scheint und dennoch nie ein Wort zuviel sagt“, gilt schon heute als einer der bedeutendsten Weinvisionäre unserer Zeit.

M. Chapoutier
M. Chapoutier

Gerade einmal 25 Jahre alt ist Michel Chapoutier, als sein Vater die Verantwortung für das 1808 gegründete Weingut und Handelshaus auf ihn und seinen Bruder überträgt. Während er sich in die Produktion einarbeitet, kümmert sich sein Bruder um die Vermarktung der Weine. Früher als andere Erzeuger der Region erkennen die Beiden, dass sich die Rhône dramatisch verändern muss, um mit dem gestiegenen Qualitätsanspruch der Exportmärkte mitzuhalten. Michel Chapoutier gelangt zu der Auffassung, dass große Weine im Weinberg entstehen und nicht im Keller. Er setzt konsequent auf niedrige Erträge, verzichtet im Keller auf die Verwendung von Kulturhefen und baut selbst kleine Parzellen getrennt aus. Gegen harte Tannine geht Michel Chapoutier mit konsequenter Entrappung und Verzicht auf die Verwendung des Pressweins vor und verringert letztlich den Anteil und die Zeit im Holz.


Schließlich setzt er für seine eigenen Weinberge konsequent auf biodynamischen Landbau und legt damit den Grundstein für das, was Weinpapst Robert M. Parker als den bemerkenswertesten Qualitätssprung bezeichnet, den er je gesehen hat. Mit ungeheurem Elan und befeuert durch internationale Erfolge erwirbt Michel Chapoutier eigene Weinberge in allen Spitzenlagen der Rhône und begeistert zugleich langjährige Vertragswinzer zu grundlegenden Verbesserungen im Weinberg. So entstehen unter seiner Führung neben einigen der am höchsten bewerteten Weine der Welt auch beliebte Rhôneklassiker von großer Authentizität wie La Bernardine Châteauneuf du Pape, Belleruche Côtes du Rhône und La Ciboise aus Côtes du Luberon.  Von der Côte Rôtie im Norden bis zu den Dörfern und Crus der südlichen Rhône, darunter Rasteau, Gigondas, Tavel und natürlich Châteauneuf, bildet M. Chapoutier die Rhône in einer Authentizität und Typizität ab wie kein anderer Winzer.


Als einziger seiner Zunft besitzt er eigene Weinberge in allen Spitzenlagen der Rhône. Nahezu uneingeschränkt herrscht Chapoutier über den Hermitage Berg. Neben Klassikern wie Les Meysonniers aus Crozes und den Weinen der berühmten Hermitage-Lage La Sizeranne erzeugt Michel Chapoutier aus einigen der herausragendsten Parzellen Weine, die Wine Spectator und Robert M. Parker einmütig zu den Besten der Welt zählen. Die regelmäßig mit bis zu 100 Punkten bewerteten Sélections Parcellaires entstehen in akribischer Handarbeit von großen, teils uralten Reben, die nach den Grundsätzen biodynamischen Landbaus bewirtschaftet werden. Sie gehören ebenso wie sein weißer Hermitage Chante-Alouette zu jenen Weinerlebnissen, die man nie vergisst.


Auch abseits des Rhônetals erzeugt Michel Chapoutier Wein von großem Ruf, allen voran im Roussillon. Darunter ist auch ein Banyuls, der uns so sehr beeindruckt hat, dass wir nicht daran vorbei gehen konnten.